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Stress verstehen und abbauen

Stress7 Min. LesezeitZuletzt geprüft: August 2026

Frau am Bürofenster in der Abenddämmerung, Hand am Rahmen, Schultern gelöst

Stress ist die Reaktion von Körper und Psyche auf eine Anforderung, die als bedeutsam und zugleich schwer zu bewältigen erlebt wird. Kurzfristig ist diese Reaktion sinnvoll, sie klingt nach der Anforderung von selbst wieder ab; schwierig wird sie erst, wenn die Anforderung nicht endet und die Erholung dazwischen ausbleibt. Mehr Erklärung braucht es an dieser Stelle nicht. Diese Seite erklärt nicht, sie ordnet: Sie benennt die Frage, die über dem ganzen Thema steht, grenzt ab, was dazugehört und was nicht, zeigt, wie stark Stress die Schweizer Arbeitswelt betrifft, und führt zu jenem der zehn vertiefenden Beiträge, der zur eigenen Ausgangslage passt.

Welche Frage steht über diesem Themenbereich?

Die Frage, die über allen zehn Beiträgen steht, lautet nicht, wie sich Stress abschaffen lässt, sondern ob die eigene Belastung noch getragen wird. Genau dieses Verhältnis erhebt der Job-Stress-Index, den Gesundheitsförderung Schweiz gemeinsam mit der Universität Bern und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW seit 2014 misst: massgebend ist nicht die Menge der Anforderungen, sondern ihr Verhältnis zu den verfügbaren Ressourcen. Kein einzelner Beitrag beantwortet diese Frage für sich allein, weil die Antwort je nach Situation aus einer anderen Richtung kommt.

Im Alltag lässt sich die Frage am ehesten an der Erholung ablesen: Wer nach einer intensiven Woche am Wochenende wieder auftankt, steht anders da als jemand, der auch nach zwei Ferienwochen erschöpft bleibt. Ob eine Anspannung noch zur Situation gehört oder bereits dauerhaft geworden ist, trennt der Beitrag über den Unterschied zwischen akutem und chronischem Stress. Was daraus wird, wenn auch freie Tage nichts mehr ändern, behandelt der Beitrag Erschöpfung verstehen: von Müdigkeit bis Dauererschöpfung.

Was umfasst dieser Themenbereich, und was gehört nicht dazu?

Dieser Themenbereich behandelt Stress als alltägliche und berufliche Belastung: die körperliche Reaktion, ihren Verlauf über die Zeit, die Bedingungen am Arbeitsplatz, die verbreiteten Methoden und die Anlaufstellen in der Schweiz. Nicht behandelt werden die Diagnose und die Behandlung psychischer Erkrankungen, Medikamente und die Beurteilung eines konkreten Einzelfalls. Diese Grenze ist keine Vorsichtsformel, sondern der Unterschied zwischen einer Information und einer Abklärung, die eine Fachperson vornimmt.

Ausserhalb liegt ebenso die akute Krise. Die Dargebotene Hand ist unter der Nummer 143 rund um die Uhr erreichbar, Pro Juventute berät Kinder und Jugendliche unter 147, in medizinischen Notfällen gilt 144. Diese Nummern stehen hier am Anfang und nicht am Schluss, weil sie nicht der letzte Schritt nach allen Selbsthilfeversuchen sind, sondern der erste, sobald es dringend wird.

Wie stark betrifft Stress die Schweizer Arbeitswelt?

Arbeitsbezogener Stress ist in der Schweiz gut dokumentiert und kein Randthema. Im Job-Stress-Index 2022 lagen 28,2 Prozent der Erwerbstätigen im kritischen Bereich, in dem die Belastungen die verfügbaren Ressourcen deutlich übersteigen (2020: 29,6 Prozent), und der Anteil der emotional Erschöpften überschritt mit 30,3 Prozent erstmals seit Beginn der Messreihe die Marke von 30 Prozent. Die Produktivitätsverluste durch Absentismus und Präsentismus betragen 14,9 Prozent der Arbeitszeit (5,3 Prozent Absentismus, 9,6 Prozent Präsentismus); auf arbeitsbezogenen Stress entfallen davon rund 13 Prozent der gesamtschweizerischen Produktionsverluste, was einem jährlichen ökonomischen Potenzial von 6,5 Milliarden Franken entspricht.

Die längere Perspektive liefert das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO: In der Stress-Studie 2010 gaben 34,4 Prozent der Befragten an, sich häufig oder sehr häufig gestresst zu fühlen, gegenüber 26,6 Prozent im Jahr 2000. Bemerkenswert an der Zusammenschau ist weniger die Höhe der Werte als ihre Bewegung: Der allgemeine Stresswert bleibt vergleichsweise stabil, während der Anteil der emotional Erschöpften steigt. Das spricht dafür, Erschöpfung als eigenen Zustand zu betrachten und nicht als blosse Steigerung von Stress.

Diese Zahlen haben eine rechtliche Entsprechung. Artikel 6 des Arbeitsgesetzes verlangt vom Arbeitgeber alle Massnahmen zum Schutz der Gesundheit, die nach dem Stand der Technik und nach den Erfahrungen notwendig und angemessen sind, und Artikel 2 der Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz nennt die Vermeidung übermässiger Beanspruchung ausdrücklich. Psychische Belastung am Arbeitsplatz ist damit keine reine Privatsache. Welche Faktoren im Arbeitsalltag am stärksten wiegen und welche Handlungsmöglichkeiten Betriebe und Erwerbstätige haben, behandelt der Beitrag über mentale Belastung im Beruf.

Wie greifen die zehn Beiträge ineinander?

Die zehn Beiträge liegen auf drei Ebenen, die aufeinander aufbauen. Die erste Ebene ordnet den Begriff: Was Stress ist und was dabei im Körper geschieht und der Unterschied zwischen akutem und chronischem Verlauf. Die zweite Ebene betrifft die Wahrnehmung: Körpersignale bei Stress erkennen und die Abgrenzung zur Erschöpfung. Die dritte Ebene betrifft das Handeln: Atmung als Regulation, Entspannungstechniken im Vergleich und Bewegung und Stress.

Quer zu diesen drei Ebenen liegen zwei weitere Beiträge, die den Rahmen betreffen: die mentale Belastung im Beruf auf der Seite der Bedingungen und die Frage, wann fachliche Hilfe bei Stress sinnvoll ist, auf der Seite der Zuständigkeit. Wer nur eine einzelne, klar umrissene Frage hat, findet die kurzen Antworten gesammelt im Beitrag Häufige Fragen zu Stress.

Die Reihenfolge ist keine Rangliste, aber sie ist auch nicht beliebig: Die Beiträge zu den Methoden stehen bewusst nicht am Anfang. Solange offen bleibt, woher die Belastung kommt und ob die Erholung noch funktioniert, wird jede Technik zur Verwaltung eines Zustands, statt ihn zu verändern.

Wo hört diese Übersicht auf, und wo beginnt die fachliche Abklärung?

Eine Übersichtsseite kann einordnen, sie kann nicht beurteilen. Sobald es um die Frage geht, was im eigenen Fall vorliegt, endet die Reichweite dieser Seiten und beginnt die Zuständigkeit der Hausarztpraxis, die körperliche Ursachen und Medikamentenwirkungen abklärt und bei Bedarf weiterweist. Das gilt unabhängig davon, wie plausibel Stress als Erklärung erscheint.

Für die psychotherapeutische Seite gilt seit dem 1. Juli 2022 das Anordnungsmodell: Psychologische Psychotherapie wird auf ärztliche Anordnung von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übernommen, Franchise und Selbstbehalt bleiben bestehen. Welche Anzeichen für eine Abklärung sprechen, wie ein Erstgespräch abläuft und was die Krankenkasse im Einzelnen übernimmt, steht im Beitrag darüber, wann fachliche Hilfe bei Stress sinnvoll ist.

Welche anderen Themenbereiche hängen mit Stress zusammen?

Stress steht nicht für sich allein, und einiges, was danach gesucht wird, ist auf dieser Website an anderer Stelle abgelegt. Die Nächte behandelt der Themenbereich Schlaf und Erholung, die Wechselwirkungen zwischen Befinden und Körper der Themenbereich Körper und Psyche.

Wer die Gesprächsseite sucht, also das Zuhören, das Spiegeln und die Frage, was ein gutes Gespräch ausmacht, findet sie im Themenbereich Zuhören und Gespräch. Die Gestaltung der Woche, Pausen, Grenzen und Rituale gehören in den Themenbereich Alltag und Struktur. Einen Gesamtüberblick über alle Themen gibt die Startseite.

Quellen

  • Gesundheitsförderung Schweiz, Universität Bern, ZHAW: Job-Stress-Index 2022, Faktenblatt 72, August 2022 (Anteil im kritischen Bereich 28,2 Prozent, emotionale Erschöpfung 30,3 Prozent, Produktivitätsverlust 14,9 Prozent, rund 6,5 Milliarden Franken).
  • Staatssekretariat für Wirtschaft SECO: Stress-Studie 2010, Stress bei Schweizer Erwerbstätigen, Bern 2011.
  • Staatssekretariat für Wirtschaft SECO: Wegleitung zum Arbeitsgesetz, Art. 6 ArG sowie Art. 2 der Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz (Gesundheitsschutz, übermässige Beanspruchung).
  • Bundesamt für Gesundheit BAG: Psychologische Psychotherapie im Anordnungsmodell, in Kraft seit 1. Juli 2022 (Krankenpflege-Leistungsverordnung).
  • Die Dargebotene Hand: Beratung unter der Nummer 143, rund um die Uhr. Pro Juventute: Beratung für Kinder und Jugendliche unter 147.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltender Belastung, ausgeprägter Erschöpfung oder körperlichen Beschwerden wenden Sie sich an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachperson. In einer akuten Krise sind die Dargebotene Hand unter 143 und der Notruf 144 rund um die Uhr erreichbar.